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Immer Ende November steht der kapitalistischste aller „Feier“tage an – der Black Friday. Während der auf Thanksgiving folgende Freitag in den USA schon seit vielen Jahren als rabattstärkster Aktionstag des Einzelhandels vermarktet wird, war dieser bis vor wenigen Jahren in anderen Teilen der Welt noch weitgehend unbekannt. Doch seit große amerikanische Online-Händler ihre Rabatte auch massiv in anderen Teilen der Welt bewerben, wird der Black Friday auch bei uns in Deutschland von vielen gerade jungen Menschen sehnsüchtig erwartet. 
Der Black Friday ist zwar kein gesetzlicher Feiertag, dennoch hat er für viele einen wesentlichen größeren Stellenwert als beispielsweise Christi Himmelfahrt oder der Buß- und Bettag. Einfach mal herumsurfen, schließlich ist alles so herrlich günstig und wird noch am nächsten Tag and die Haustür geliefert. Und schwupps, liegt etwas im Einkaufswagen, obwohl man es vielleicht gar nicht braucht.

Black Fridays for Future?

Black Fridays for Future? Über die Co-Existenz von grenzenlosem Konsum und grenzenlosem Klima-Engagement

Immer Ende November steht der kapitalistischste aller „Feier“tage an – der Black Friday. Während der auf Thanksgiving folgende Freitag in den USA schon seit vielen Jahren als rabattstärkster Aktionstag des Einzelhandels vermarktet wird, war dieser bis vor wenigen Jahren in anderen Teilen der Welt noch weitgehend unbekannt. Doch seit große amerikanische Online-Händler ihre Rabatte auch massiv in anderen Teilen der Welt bewerben, wird der Black Friday auch bei uns in Deutschland von vielen gerade jungen Menschen sehnsüchtig erwartet.

Der Black Friday ist zwar kein gesetzlicher Feiertag, dennoch hat er für viele einen wesentlichen größeren Stellenwert als beispielsweise Christi Himmelfahrt oder der Buß- und Bettag. Einfach mal herumsurfen, schließlich ist alles so herrlich günstig und wird noch am nächsten Tag and die Haustür geliefert. Und schwupps, liegt etwas im Einkaufswagen, obwohl man es vielleicht gar nicht braucht.
 

Black Friday for Future?

Aber … hatten wir alle nicht eigentlich etwas klimabewusster leben wollen? Weniger Fleisch essen, achtsamer einkaufen, weniger Auto fahren? Greta Thunberg hat uns doch klar gemacht: So kann es nicht weitergehen. Mit ihrer Konsequenz und Ernsthaftigkeit ist sie dabei innerhalb kürzester Zeit zur Ikone einer neuen Jugendbewegung geworden – was die kürzlich erschienene Dokumentation „I am Greta“ noch einmal anschaulich darstellt (bis 12.4.2021 in der Das Erste Mediathek abrufbar). Und kurioserweise hat auch diese Bewegung den Freitag als Aktionstag für sich entdeckt – allerdings mit einer völlig anderen Botschaft als der Black Friday.

So unterschiedlich die Fridays for Future Bewegung und die globale Rabattschlacht am Black Friday auch sind – was sie vereint ist die Geschwindigkeit, mit der sie globale Bedeutung erlangten. Thunbergs Protest folgten Schülerinnen und Schüler auf der ganzen Welt. Innerhalb kürzester Zeit kopierten junge Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern ihre Form des zivilen Ungehorsams, um ihren Zukunftsängste Ausdruck zu verleihen. Genau wie sich der Black Friday in kürzester Zeit weltweit als wichtige Stütze im Jahresgeschäft des Online- und Einzelhandels etabliert hat.

Der Freitag ist damit Sinnbild für die Polarisierung, aber auch die Widersprüchlichkeit unserer Gesellschaft geworden. Während wütende junge Schüler die am Black Friday die Straßen und öffentlichen Plätze füllen (zumindest vor Corona), füllen sich bei den meisten Menschen die Warenkörbe mit Alexas und anderen Wohlfühl-Produkten gepaart mit dem Bewusstsein, ein einmaliges Schnäppchen ergattert zu haben. Deutlicher kann sich die Widersprüchlichkeit unserer Gesellschaft kaum ausdrücken.
 

Fridays for Future treibt die globale Klimapolitik

Die Frage, die sich dabei stellt, liegt auf der Hand: Hat Fridays for Future in einer Welt des grenzenlosen Konsums überhaupt eine Chance? Haben die vielen Proteste überhaupt etwas gebracht? Unsere Antwort dazu fällt eindeutig aus: Ja – man kann den Effekt der Fridays for Future Bewegung gar nicht hoch genug bewerten. Thunbergs aktivistisches Mittel, der friedliche „Streik“ und ihre Aussage „Warum soll ich lernen, wenn es bald keine Zukunft mehr für mich geben könnte“, schien auf einen Schlag mehr zu verfangen, als alle Warnungen und wissenschaftlichen Präsentationen, die Klimawissenschaftler zuvor jahrelang vorbrachten. Die junge Schwedin hat in nur wenigen Monaten erreicht, woran Klimawissenschaftler, Journalisten und NGOs jahrzehntelang gescheitert sind: die Warnung vor den Auswirkungen der Klimakrise in die breite Masse zu tragen.

Als sei plötzlich ein Knoten geplatzt, formierten sich immer neue Gruppen, die sich hinter Fridays for Future stellten. Darunter nicht nur sehr junges Publikum, sondern alte „Ökokämpfer“ aus den 1980er Jahren, ebenso wie Menschen, die sich mit Klimathemen bislang kaum auseinandergesetzt hatten. Unzählige „forFuture-Gruppen formierten sich, die alle gemeinsam an Lösungen für die Klimakrise arbeiteten wollten, z.B. Scientists 4 Future, Parents for Future Germany, Psychologistfor Future und Entrepreneurs for Future.

Die Klimawandel fand endlich in Talkshows, Podiumsdiskussionen und Workshops Eingang. Das verabschiedete „Klimapaket“ der Bundesregierung entstand als Antwort auf die andauernden Proteste inklusive zweier Großdemonstrationen, bei denen in Deutschland hunderttausende Menschen auf die Straße gingen.
 

Was bleibt von Fridays for Future im Jahr 2020?

Die Corona-Pandemie hat – wie so vieles andere – auch die Fridays for Future -Proteste ausgebremst. Demos mussten abgesagt werden, die Aufmerksamkeit richtet sich verstärkt auf andere Dinge. Aber: Die Pandemie hat die Klimakrise keineswegs aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit verdrängt. Die neue Studie „The New Normal?“ der Organisation „More in Common“ zeigt: Eine Mehrheit der Deutschen wünscht sich zum Beispiel, dass die Anti-Corona-Maßnahmen auch zu mehr Klimaschutz führen. 85 Prozent aller Befragten sind der Meinung, dass sich Unternehmen, die staatliche Hilfen erhalten - wie zum Beispiel die Lufthansa oder andere Großkonzerne - im Gegenzug zu CO2-Einsparungen verpflichten müssen sollten.

Doch nicht nur das Bewusstsein für die Klimaprobleme ist in breiten Schichten der Bevölkerung gewachsen. Die Aktivistinnen und Aktivisten geben keine Ruhe. Das zeigen zum Beispiel die anhaltenden Demos gegen den Bau der höchst umstrittenen Autobahnabschnitt 49 und den einhergehenden Rodungen des Dannenröder Forst. Oder auch die europaweit massiven, von Natur- und Klimaschützern gemeinschaftlich organisierten Proteste rund um die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU.

Immer mehr der Protagonisten wollen auch ganz direkt politisch wirken. Diverse Aktivistinnen und AKtivisten haben angekündigt, in der Bundestagswahl 2021 für Bündnis90/Die Grünen für ein Bundestagsmandat kandidieren zu wollen. Zudem hat sich die so genannte „Klimaliste“ gegründet, ein überparteilicher Zusammenschluss von Bürger*innen, die mit eigenen Kandidat*innen zu Kommunal- und Landtagswahlen antreten wollen. Vielleicht ist unter den ehemaligen Schulschwänzern also eine zukünftige Bundeskanzler*in?
 

Was bedeuten der Black Friday und Fridays for Future für Unternehmen?

Der Freitag versinnbildlicht auf den ersten Blick auch das Dilemma von Unternehmen, die sich in einer immer dynamischer werdenden Welt mit sich ständig ändernden Präferenzen zurechtfinden müssen. Black Friday oder Fridays for Future, Konsum oder Klimaschutz – wo geht die Reise hin? Betrachten wir unsere Erfahrungen aus vielen Gesprächen mit Kunden und Interessenten, zeigt sich ein klares Bild. Vielen Unternehmen ist bewusst, dass ein auf kurzfristige Gewinne optimiertes Geschäftsmodell, das Umwelt- und Sozialauswirkungen außen vor lässt, in sehr naher Zukunft nicht mehr wettbewerbsfähig sein wird. Unternehmen stellen sich heute ganz deutlich die Frage, mit welchen Produkten und mit welcher Markenpositionierung sie gerade auch für die Zielgruppe der Fridays for Future in Zukunft noch interessant sind. Im Zentrum steht hier die Glaubwürdigkeit oder Authentizität. Eine nachhaltige Transformation muss ehrlich und authentisch sein und sich tatsächlich und ernsthaft mit den zugrundeliegenden Problemen auseinandersetzen. Dann muss Konsum und Klimaschutz kein Widerspruch sein.

Doch auch die Politik muss ihren Beitrag leisten. Denn ob einzelne Menschen am Black Friday kein sinnloses Zeugs shoppen oder weniger fliegen, spielt global gesehen keine große Rolle. Das Verbrennen von Öl, Gas und Kohle muss in seiner Gesamtheit ein Ende finden. Dazu müssen Politikerinnen und Politiker die richtigen Rahmenbedingungen setzen.  Und zwar schnell. Die Treibhausgase in der Atmosphäre haben gerade wieder einen Rekordwert erreicht. 2019 sei im globalen Durchschnitt erstmals seit Beginn der Industrialisierung 1750 die Marke von 410 ppm Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre erreicht worden, schreibt die Weltwetterorganisation (WMO) der Uno in ihrem jährlichen Treibhausgas-Bulletin. Das heißt, der Druck von den Gretas dieser Welt auf die Politik ist wohl weiterhin nötig.